Mit knapp 100 Personen versammelten wir uns gestern vor der Burschenschaft Frankonia, die zu ihrer „Bürgerkneipe“ geladen hatte. Laut und deutlich zeigten wir mit „Omas gegen Rechts“, „Studis gegen Rechts“ , „OAT Erlangen“, „Initiative gegen die Bezahlkarte Erlangen“ und „Feministisches Bündnis Erlangen“, dass hier kein Platz ist für ihre sexistische, rassistische und nationalistische Scheiße und wir sie niemals in Ruhe lassen werden.
„Wir sind heut hier um ein Zeichen zu setzten, gegen die rechten Umtriebe der Burschenschaft Frankonia! Wir wollen ihre Versuche der rechten Vernetzung nicht unkommentiert lassen! Die Umtriebe der Frankonia bleiben in Erlangen nicht unbeobachtet, immer wieder werden dagegen Proteste organisiert. Auch heute freuen wir uns wieder über alle Akteur*innen die sich gemeinsam gegen die Frankonia stellen. Denn Rassismus, Chauvinismus und Nationalismus findet sich nicht nur bei der Frankonia, wir können aktuell live einen enormen Rechtsruck in der sogenannten Mitte der Gesellschaft beobachten.“
29.03. | 19:45 Uhr | Vor der Frankonia, Loewinchstraße 16
Die Burschenschaft Frankonia hat die Nachbarschaft per Einwurf zur „Bürgerkneipe“ eingeladen. Die Einladung nehmen wir selbstverständlich gerne an und sehen dort nach den Rechten: Kommt zu unserer Kundgebung, crashen wir gemeinsam die Party. Denn gegenüber Nazis darf es keine Normalisierung geben!
Die Frankonia steht für Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Antifeminismus. In ihren Räumen finden regelmäßig Netzwerktreffen der extremen Rechten statt, sie ist ein Dreh- und Angelpunkt neonazistischer Vernetzung in Bayern. Mitglieder der Identitären Bewegung, AfD, Jungen Alternative und anderer rechter Gruppen gehen hier ein und aus.
Zeigen wir den Naziburschen, was wir von ihnen halten.Gegen Fascho-Kneipen und elitären Müll: Die Frankonia enteignen!
Wir freuen uns, euch zwei Veranstaltungen Vortragsreihe ankündigen zu können. Wir sehen uns also am 27.03 im ZeWi und 03.04 im IG Metall Saal.
27.03.2025 19:00 Zentrum Wiesengrund
Alex Schmidt und Thomas Meyer-Falk
Zwischen Resilienz und Abgrund – Einblicke in die Welt der Gefängnisse
Gefängnisse sind zerstörerische Räume. Neben physiologischen Bedürfnissen, wie Durst und Hunger, gibt es spezifisch existenzielle Bedürfnisse: Bezogenheit, Transzendierung, Verwurzeltsein, Identitätserleben, Rahmen der Orientierung, Wirkmächtigkeit. Diese existenziellen Bedürfnisse werden in Gefängnissen nicht nur nicht erfüllt, sondern systematisch unterlaufen. Der Abgrund ist oftmals nur einen kleinen Schritt entfernt, der Boden beginnt zu schwanken, im nächsten Moment droht der Sturz in die Tiefe. Wie kann es möglicherweise dennoch gelingen, Haft, egal ob wenige Stunden in Polizeigewahrsam, einige Monate in Untersuchungshaft oder Jahre in der Strafhaft, seelisch zu überleben? Was können wir selbst aktiv tun, um solche schwierigen Lebensumstände besser zu überstehen? Was können wir tun, um Menschen, die von Haft bedroht sind oder dort schon einsitzen, entsprechend zu unterstützen? Wir wollen Euch zu Anfang Einblicke in einen aktuellen Repressionsfall geben, der große Teile der bundesdeutschen Linken seit Jahren begleitet. Die Rede ist vom sogenannten „Budapest-Komplex“. Dazu wird es von einem Sprecher des „Solikreis Nürnberg“ einen Überblick zu den Geschehnissen in Ungarn, dem sogenannten „Tag der Ehre“, der Repression in der BRD und den aktuellsten Entwicklungen rund um die verfolgten Antifas – insbesondere dem beginnenden Prozess gegen Hanna – geben. Danach wird Thomas, der Ende August 2023 nach fast drei Jahrzehnten Gefangenschaft entlassen wurde, einen Input zum Leben und Überleben in Haft geben. Im Anschluss daran wird die Arbeit des „Solikreis Nürnberg“ vorgestellt, welcher als ein Akteur die politische Unterstützungsarbeit für Hanna und auch für die anderen verfolgten Antifas organisiert. Und dann soll zusammen diskutiert, mögliche Erfahrungen geteilt und Ideen entwickelt werden: wie sieht gelingende Soliarbeit aus, was hilft um eine Haftzeit zu überstehen.
03.04.2025 19:00 IG Metall Saal
Stefan Dietl
Die AfD und die soziale Frage
Gerne inszeniert sich die AfD als »die Partei des kleinen Mannes«. Tatsächlich steht sie jedoch für weiteren Sozialabbau, eine weitere Umverteilung von unten nach oben und den Abbau von Arbeitnehmerinnenrechten. Zu ihrer Prgrammatik gehört neben der Hetze gegen Migrantinnen und Geflüchtete, dem Kampf gegen die Rechte von Frauen und der Diskriminierung von queeren Menschen, auch die Ausgrenzung von sozial Benachteiligten. Stefan Dietl wirft einen genaueren Blick darauf, welche Forderungen die AfD in der Wirtschafts- und Sozialpolitik eigentlich vertritt und welche verheerenden Auswirkungen deren Umsetzung hätten.
Wir haben gemeinsam mit dem AIB und der Initiative Kritisches Gedenken eine Kundgebung am Hugenottenplatz veranstaltet. Anlässlich des fünften Jahrestags des Anschlags von Hanau haben sich 100 Menschen mit uns versammelt, um ihre Solidarität mit den Opfern und Angehörigen auszudrücken und weiter auf das Versagen der Behörden aufmerksam zu machen.
Wir heißen euch alle auch im Namen der Gruppe Antithese herzlich willkommen und freuen uns, dass wir heute hier mit so vielen Menschen stehen. Es ist nun fünf Jahre her, dass Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nessar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov aus dem Leben gerissen wurden. Fünf Jahre her, dass sie Opfer eines rassistischen, rechtsterroristischen Anschlags wurden. Fünf Jahre, in denen immer noch Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen gefordert werden müssen.
Der Anschlag in Hanau reiht sich in eine lange Reihe Rechten Terrors, staatlichem Versagens und rassistischer deutscher Behörden ein. Doch was bedeutet das? Das Motiv der Täter, so auch in Hanau: Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus, Verschwörungsglaube. Doch immer wieder ist die Rede von einem „Verrückten“, einem „psychisch Auffälligem“, einem „Einzeltäter“ – wie so oft, wenn es um rechten Terror geht. Wie so oft, wenn der Täter ein deutscher Rechtsextremist ist. Wie so oft, bleibt hier der gesellschaftliche Aufschrei aus. Immer wieder wollen Behörden keine Ahnung gehabt haben über den Täter von Hanau. Doch der Täter von Hanau hätte bekannt sein müssen. Auch bei ihm gibt es eine Vorgeschichte. Eine Vorgeschichte, die viel zu lange eine Frage offen lies. Die Frage, ob der Tod dieser 9 Menschen hätte verhindert werden können. Mittlerweile kennen wir die Antwort. Nicht die Behörden selbst sondern Angehörige und Journalist:innen waren es, die das Ausmaß des Versagens der Behörden öffentlich machten und zeigten: Der Tod dieser Menschen hätte verhindert werden können. Dank ihnen wissen wir heute, dass die Polizei zum Zeitpunkt der Tat stark unterbesetzt war. Wir wissen auch, dass es jede Menge Hinweise auf den Täter gab. So besaß der Täter über Jahre hinweg eine Waffenerlaubnis. Die zuständige Behörde unterließ es vorgeschriebene Nachfragen zu tätigen.Er bekam später auch eine europäische Feuerwaffenbesitzerlaubnis ausgestellt. Ohne Zuverlässigkeitsprüfung. Mit dieser konnte er 2019 legal bei Schießtrainings in der Slowakei teilnehmen. Wie man später erfährt, habe er sich dort so auffällig verhalten, dass er von einigen Trainings ausgeschlossen wurde – aber das wurde nicht weitergegeben. Das Training des Täters für Kampfeinsätze mit Schusswaffen soll laut Behörden unbemerkt an ihnen vorbei gegangen sein. Dass Rechtsextreme Schusswaffen besitzen, ist nicht unbekannt. Aktuell gibt es über 1000 Personen in Deutschland, die als rechtsextrem gelten und eine Waffenerlaubnis haben. Bewaffnete Rechtsextreme sind eine Gefahr – eine Gefahr für die gesamte Gesellschaft.
Ein weiterer Hinweis ergibt sich im Vorfeld der Tat. Es gab kurz zuvor rassistische Übergriffe im Hanauer Stadtteil Kesselstadt, die vermutlich auf den Täter zurück gehen – es gab Drohungen, man würde Jugendliche erschießen. Die Ermittlungen verliefen im Sande. Hätte man damals diese Waffenbesitzerlaubnis abgefragt, wäre man vielleicht auf den Täter vom 19.2. gekommen. Denn dieser lebte unweit der Tatorte. Aber den Jugendlichen wurde nicht geglaubt. Sie waren mit einer rassistischen Ermittlungsbehörde konfrontiert und wurden nicht erst genommen. Wie so oft, wurden Menschen mit Migrationsgeschichte weniger ernst genommen und rassistisch behandelt. Rassistische Behörden sind eine Gefahr – eine Gefahr für das gesellschaftliche Miteinander.
Und auch in der Tatnacht müssen wir von behördlichem Versagen sprechen. Bereits Anfang 2021 wurde bekannt, dass der Notruf der Polizei nicht besetzt war. Vili-Viorel Păun wurde vor der Arena Bar, dem zweiten Tatort, erschossen. Er verfolgte den Täter seit dem ersten Tatort mit dem Auto. Immer wieder versuchte er die Polizei anzurufen. Vergeblich. Letztlich erschoss ihn der Täter, den er verfolgte. Wäre die Polizei erreichbar gewesen würde er wohl noch leben. Auch Said Etris Hashemi versuchte mehrmals die Polizei zu rufen. Er überlebte mit schwerer Schussverletzung, sein Bruder wurde getötet. Als die Polizei am Tatort ankam hatte sie nichts Besseres zu tun, als ihn zuerst nach seinem Ausweis zu fragen und die Wunde als nichtig abzutun. Die Kugel steckte zu diesem Zeitpunkt in seinem Hals, direkt neben der Halsschlagader.
Als die Angehörigen in der Tatnacht zu den Anschlagsorten kamen, wurden sie stundenlang hingehalten. Erst am frühen Morgen wurden sie über den Tod ihrer Liebsten informiert. Tagelang wurde ihnen nicht gesagt, wo sich die Verstorbenen befinden. Die Opfer wurden ohne Wissen der Angehörigen obduziert, obwohl der Täter fest stand und eine Obduktion wohl sehr wenig über den Tathergang aussagen hätte können. Der Anblick der zugenähten toten Körper, wirkt auf die Angehörigen wie ein zweiter Anschlag. Sie konnten sich nicht würdig verabschieden. Die toten Körper ihrer Angehörigen wurden mit der Begründung „Spurensicherung“ beschlagnahmt. Erst nach 8 Tagen bekam die Familie Unvahr den toten Ferhat zu sehen. Sein Vater sagt „mich belastet es bis heute, dass wir uns nicht würdig von ihm verabschieden konnten. Es belastet uns bis heute, dass man uns dieses Recht genommen hat. Man hat uns noch einmal den Schmerz tiefer und tiefer eingebrannt. Wir können uns nie wieder verabschieden. Einmal über seinen Kopf streichen, einmal seine Backe berühren. Es hätte die Spurensicherung nicht verhindert. Aber es hätte uns geholfen in der Trauer, wir hätten damit abschließen können. Wir hätten loslassen können. Sie haben uns das Recht genommen los zu lassen.“
Der Mörder in Hanau war weder Einzeltäter noch verrückt. Diese Erzählung hat den einen großen Zweck: Die deutsche Gesellschaft von ihrer Schuld freizusprechen und zu leugnen, dass es überhaupt ein Problem mit rechten Netzwerken gibt; diese Annahme macht eine Aufklärung fast unmöglich und deckt die Mittäter*innen, anstatt Menschen vor rechter Gewalt zu schützen. Die Zahl der rechten Gewaltdelikte ist auch 2024 gestiegen. Die Zahl der Personen, die als gewaltorientiere Rechtsextreme gelten ist gestiegen. Die Straftaten von Rechtsextremen sind gestiegen.
Der strukturelle Rassismus muss konsequent und überall bekämpft werden, genauso wie der Alltagsrassismus, den alle Hinterbliebenen nur allzu gut kennen. Das alles ist der Nährboden, auf dem der Hass der Täter überhaupt erst gedeihen konnte.
Schauen wir in die Geschichte der letzten Jahrzehnte: Keiner der rassistischen und antisemitischen Terrorakte der deutschen Nachkriegsgeschichte hat zu ernstzunehmenden Konsequenzen für die Täter geführt. Es muss Schluss damit sein, dass Rechte sich so sicher fühlen können! Es muss Schluss sein damit, dass deutsche Täter geschützt und verharmlost werden. All das sollte für sich stehen. All das sollte Konsequenzen hervorrufen. Stattdessen wird unermüdlich Migration kriminalisiert. Migrantinnen werden kriminalisiert. Nicht erst jetzt, im Wahlkampf, werden Rassismus und Nationalismus zur Normalität. Wir stehen hier, für ein solidarisches Miteinander. Wir stehen hier, um zu sagen, dass wir nicht wegschauen dürfen, wenn Menschen rassistisch behandelt werden, wenn gegen Migranten*innen gehetzt wird und sich rechtes Gedankengut in allen gesellschaftlichen Schichten breit macht und unwidersprochen bleibt. Das ist der Nährboden für Taten wie die in Hanau. Wir stehen hier, um gemeinsam für eine Welt ohne Rassismus einzutreten. Es ist nun fünf Jahre her, dass Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nessar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov aus dem Leben gerissen wurden.Es ist Fünf Jahr her, dass sie Opfer eines rassistischen, rechtsterroristischen Anschlags wurden.
Wir wollen, dass ihre Namen niemals vergessen werden.
Erscheinungsformen des krisenhaften Normalzustands.
Vor fast 10 Jahren haben wir das erste Mal eine Vortragsreihe unter dem Titel „Meinung Wahn Gesellschaft“ veranstaltet. Damals ging es uns darum Licht auf verschiedene Erscheinungsformen des krisenhaften Normalzustands zu werfen. Viel hat sich seitdem noch weiter zum Schlechten geändert, die Notwendigkeit grundsätzlicher gesellschaftskritischer Perspektiven ist gleich geblieben. Deshalb haben wir ab Oktober 2024 eine neue Reihe organisiert, die sich an unserem alten Ziel orientiert.
Liebe Schüler*innen, liebe Antifaschist*innen, Ich begrüße euch heute auch im Namen der Gruppe Antithese aus Erlangen. Wir freuen uns heute mit euch allen hier zu sein. Vielen Dank an die Organisatorinnen.Es ist notwendig laut zu sein, viele zu sein und ein deutliches Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Immer wieder. Denn die gesellschaftlichen Tendenzen sind alarmierend und gehen uns alle etwas an.
Wir alle haben es mitbekommen: unter dem Titel „Geheimplan gegen Deutschland“ wurde Anfang Januar eine correctiv-Recherche veröffentlicht. Sie hätte wohl besser den Titel „Geheimplan gegen all jene, die von Nazis nicht als Deutsche gelten“ tragen sollen. In dieser Recherche wurde ein Treffen beschrieben bei dem sich AfD-Funktionäre gemeinsam mit namenhaften Nazis wie Martin Sellner von der Identitären Bewegung und Politiker*innen der Werte-Union trafen, um die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland zu planen. Die Vertreibung von Menschen, die nicht in ihr rassistisches und zutiefst menschenverachtendes Weltbild passen.
Ein Schrei der Empörung hallte durch ganz Deutschland. Es gingen bundesweit ingesamt mehrere Millionen Menschen auf die Straße. Sie protestierten gegen rechts und für eine Welt ohne Rassismus und Diskriminierung. Ein starkes Zeichen! Auch wir haben uns über die Bilder gefreut.
Doch wie leider zu erwarten war, dauerte diese Protestwelle nicht lange an. Schon jetzt sind die Demonstrationen weniger und kleiner geworden. Umso wichtiger ist eine Demo wie diese heute, die jedes Jahr stattfindet, die jedes Jahr ein klares Zeichen gegen rechts und gegen Rassismus setzt. Diese Proteste scheinen nötiger denn je. Am Beispiel Erlangen lässt sich aber auch nachvollziehen, wie nötig sie eigentlich schon sehr lange sind.
Bei dem Treffen in Potsdam waren nämlich nicht nur AfDler und Anhänger der Identitären Bewegung, sondern auch Mitglieder deutscher Burschenschaften anwesend. Diese bilden ein ideologisches Vorfeld für die AfD und IB oder sind teilweise komplett rechtsextrem. Ein Beispiel für letzteres ist die Erlanger Burschenschaft Frankonia.
Immer wieder macht diese Schlagzeilen. 2015 veranstaltete sie eine rechte Messe, ein Schaulaufen der sogenannten neuen und auch der alten Rechten. Unter ihnen auch Bekanntheiten wie der Rechtsterrorist Karl-Heinz Hoffmann, in dessen Namen 1980 Shlomo Lewin und Frida Poeschke in Erlangen ermordet wurden. Ein Mitglied der Burschenschaft stand wegen Waffenbesitz und dem Verkauf von Hakenkreuz-Kitsch vor Gericht. Prominente rechtsextreme Politiker der AfD werden zu Vorträgen geladen.
Die Frankonia pflegt bundesweit beste Kontakte ins Neonazi- und Kameradschaftsmilieu. Vor allem in den letzten beiden Jahren hat sich an verschiedenen Punkten gezeigt, dass die Burschenschaft dabei mehr und mehr zu einem zentralen Bezugspunkt der extremen Rechten in Bayern wird. Dabei fungiert die Burschenschaft nicht nur als Ort der Vernetzung, sondern tritt auch aggressiv nach außen auf: So störten Frankonen aktiv einen Vortrag zur extremen Rechten in Bayern hier in der Erlanger Stadtbibliothek und verhinderten ihn dadurch letztlich. 2022 griffen sie einen durch die Klimagerechtigkeits-Kampagne End Fossil besetzten Hörsaal an der Uni an und klauten ein Banner. Immer wieder zeigen sie Präsenz bei antifaschistischen Kundgebungen, so auch vor zwei Jahren bei dieser Kundgebung, bei Bunt gegen Rassismus, und vor wenigen Wochen bei der großen Demo gegen die AfD am Hugenottenplatz.
Und leider überrascht uns das als Antifaschistinnen nicht. Die Frankonia ist brandgefährlich für alle, die an einer besseren Zukunft für alle Menschen arbeiten. Sie ist ein Problem für alle, die nicht in ihr beschränktes Weltbild passen. Sie muss für alle ein Problem sein, die sich gegen faschistische Tendenzen zur Wehr setzen wollen. Seit vielen Jahren benennen wir das Problem. Seit vielen Jahren gehen wir auf die Straße, auch hier mit euch, und machen aufmerksam auf die Gefahr. Seit vielen Jahren kämpfen wir gegen Rassismus, Rechtsextremismus und verschwörungsideologische Tendenzen.
Und es reicht leider nicht, sich hin und wieder auf eine Demo gegen die AfD zu stellen und sich danach auf die Schulter zu klopfen, dass man den Rechtsruck verhindert hat. Versteht mich nicht falsch – es ist wichtig und richtig, dass wir heute hier sind- aber dabei dürfen wir nicht stehen bleiben. Wenn in diesem Jahr Landtagswahlen und in naher Zukunft die Europawahl ansteht, liegt es an uns der AFD den Wahlkampf zu vermiesen. Gemeinsam zu zeigen, was wir von ihnen und ihrer rechtsextremen Ideologie halten und immer wieder aufzuzeigen, wie gefährlich sie sind! Kommt zum nächsten Antifa-Café ins Zentrum Wiesengrund und organisiert gemeinsam mit vielen Antifas den Gegenprotest gegen die AfD.
Aber wir müssen uns eins klar machen: Rassismus und Diskriminierung ist ein Problem der Mehrheitsgesellschaft! Auch auf die Parteien der sogenannten Mitte ist kein Verlass, wenn sie sich über beschleunigte Abschiebeverfahren freuen oder die Kriminialisierung von Seenotrettung vorantreiben. Vernetzen wir uns, gehen wir gemeinsam auf die Straße, solidarisieren wir uns mit allen Betroffenen von rassistischer und antisemitischer Diskriminierung und Gewalt.
Mit all denen, die ihre Stimme erheben, weiterhin auf die Straße gehen, nicht still bleiben. Lasst uns auch weiterhin laut bleiben und diesen rassistischen Normalzustand nicht tolerieren, lasst uns auf die Straße gehen für alle jene, die es nicht können. Organisiert euch und tauscht euch aus. Seid laut und seid viele!
Es liegt an uns, für eine bessere Welt zu kämpfen. Alerta Alerta Antifaschista!
Der von vielen Medien heraufbeschworene Weltuntergang ist ausgeblieben, der Auftakt der Bauernprotestwoche am Montag 8. Januar ist ruhig verlaufen. Der Generalstreik ist ausgeblieben und die vielfach geäußerten rechten Umsturzphantasien müssen ein weiteres Mal vertagt werden. Während in einigen Bundesländern Autobahnen und deren Auffahrten massenhaft mit Schleppern und Lastwägen blockiert wurden, kam es in der Metropolregion Nürnberg und Bayern nur zu kurzfristigen Verkehrsbeeinträchtigungen am frühen Morgen. Manche Blockaden wurden als Versammlungen angemeldet, andere – wie die am Autobahnkreuz A3/A73 – erfolgten spontan ohne Anmeldung.
Zweierlei Maß
Anders als bei den Protesten der Klimagerechtigkeitsbewegung fordern Politiker*innen keine Präventivhaft für Landwirt*innen, die Sicherheitsbehörden ermitteln nicht wegen einer vermeintlichen kriminellen Vereinigung, hören keine Telefone ab, wenden keine Schmerzgriffe gegen die Blockierenden an – sondern regeln lediglich den Verkehr. Es gibt keinen medialen Shitstorm. Es wäre zu hoffen, dass dieser Umgang Schule macht, es wird aber wohl weiterhin mit zweierlei Maß gemessen werden.
Auch das Güllefass ist mal voll
Nachdem die Bundesregierung an einer unsinnigen Schuldenbremse festhalten will und über Nacht beschlossen hatte, zwei finanzielle Unterstützungsleistungen für die Landwirtschaft abzuschaffen, ließ vehementer Protest nicht lange auf sich warten. Bauernverbände protestierten sofort und riefen zu massenhaften Demonstrationen auf – obwohl die finanziellen Auswirkungen der Maßnahmen für die Landwirt*innen gering gewesen wären. In vielen Aufrufen wird deutlich, dass die beiden Maßnahmen nur die letzten Tropfen waren, die das Fass nun zum Überlaufen gebracht haben. Seit Jahren wird die Landwirtschaft im globalen, europäischen, sowie nationalen Maßstab massiv kapitalisiert. Bauernhöfe müssen immer weiter wachsen – oder gehen pleite und werden aufgekauft: seit 2020 sind über 200.000 Höfe in Deutschland verschwunden. Ökologische Aspekte, menschliche Aspekte oder gar soziale Gerechtigkeit spielen keine Rolle. Agrarunternehmen können hochtechnisiert weiterbestehen, kleinere und mittlere Höfe sind massiv bedroht. Das hat auch elementare Folgen für den ländlichen Raum, die gesellschaftlich und politisch nicht die nötige Beachtung finden. Ebenso finden die am stärksten Betroffenen der globalen Agrarpolitik nicht die nötige Aufmerksamkeit: Menschen im globalen Süden, die sich Nahrungsmittel immer weniger leisten können. Dies erklärt auch, weshalb die Proteste weiterhin stattfinden, obwohl die Maßnahmen von der Bundesregierung großteils zurückgenommen wurden.
Die Extrem Rechte und die Bauernproteste
Geschichte und Gegenwart zeigen, wie stark die Extreme Rechte von Krisen und Unzufriedenheiten profitiert. Angesichts ihrer völkisch motivierten Verklärung des Landlebens ist es also wenig verwunderlich, dass die extreme Rechte schnell versucht auf den Protestzug aufzuspringen. Wie schnell und massiv sie ihre Erzählungen voranbringen konnte, ist dennoch beachtlich: Nahezu alle Spektren der extremen Rechten von A wie AfD, über D wie die neonazistische Kleinstpartei des Dritten Wegs, über I wie die neurechte Identitäre Bewegung, bis hin zu Z wie Zentrum Automobil setzten Medienkampagnen auf und riefen zu einer Beteiligung an den Bauernprotesten auf. Die verschwörungsideologische Protestszene halluzinierte Querverbindungen zu ihren Erzählungen eines angeblichen „Great Resets“ herbei, nahm es als Thema für ihre eigenen Versammlungen auf und mobilisierte zu den Kundgebungen der Landwirt*innen. Die allermeisten Vertreter*innen der Bauernverbände distanzierten sich daraufhin öffentlich von derartigen Vereinnahmungsversuchen – was aber leider teils gar nicht, teils nur sehr unscharf begründet wurde und sich häufig in einer inhaltslosen Distanzierung „von allen Extremisten“ verlor.
Auftakt der Protestwoche in Erlangen
Zum Auftakt der Protestwoche waren in Bayern zehntausende Menschen auf den Straßen. Allein in München beteiligten sich über 8.000 Personen. In Erlangen war der Rathausplatz mit gut 200 Teilnehmer*innen und unzähligen Schleppern gut gefüllt – bereits weit vor dem Beginn um 11 Uhr rollten die Fahrzeuge auf den Platz. Einige hatten sich zuvor an den Straßenblockaden im Umland beteiligt, andere den direkten Weg genommen. Die meisten verwendeten themenbezogenen Plakate und Schilder des Bayerischen Bauernverbands mit konkreten Forderungen; bei den Selbstgemachten war neben einigen wenigen Politikerschelten und Ampelbashing vor allem Humor zu finden, der politische Widersprüche thematisierte (Bspw: „Suche Werkstatt für Umbau auf Kerosin“). Die Andernorts präsentierten Galgen mit Politiker*innen, völkische und andere rechtsextreme Symbole, Fahnen und Parolen waren in Erlangen nicht zu sehen. Stattdessen waren in den meisten Fahrzeugen Plakate des Bauernverbands mit der Aufschrift „Landwirtschaft ist bunt nicht braun“ aufgehängt. Die Versammlung war damit klar von der Bauernschaft und ihren Themen dominiert.
Rechtes Unterwanderungspotential
Auch wenn es den Landwirt*innen also dieses Mal in Erlangen gelang, ihre Versammlung mit ihrem Ausdruck zu bestimmen, müssen die allgegenwärtigen extrem rechten Unterwanderungsversuche sehr ernst genommen werden. Immerhin beteiligten sich auch in Erlangen mehr als 20 Personen aus der extremen Rechten an der Kundgebung, stellten also rund 10 % der Teilnehmer*innen. So beteiligte sich ein halbes Dutzend subkulturell-neonationalsozialistisch orientierte Rechte in Szeneklamotten und eindeutigen Tattoos, beispielsweise mit einer tätowierten „28“ auf dem kahlrasierten Schädel, das für B & H, also die verbotene rechtsextreme Vereinigung „Blood & Honour“ steht. Aus der sogenannten „Neuen Rechten“ beteiligten sich Burschenschafter der extrem rechten Frankonia, die im Umfeld der Identitären Bewegung aktiv sind, und ein Mitglied des Landesvorstands der Jungen Alternative (Jugendorganisation der AfD) – mit akkuraten Gelscheiteln schon optisch auffälig. Zuletzt beteiligte sich die lokale verschwörungsideologische Rechte mit einem guten Dutzend Personen an der Kundgebung: samt parolengeschmücktem Lastenfahrrad und umgedrehter Deutschlandfahne (einem Erkennungszeichen der extrem rechten Szene) verteilten sie auf der Kundgebung ungeniert und ungestört Flyer.
Die Brandmauer wackelt auch hier
Angesichts der Tatsachen, dass die extreme Rechte derzeit in Umfragen bei über 20% steht und gleichzeitig nie ohne die aktive Hilfe konservativer Kräfte an die Macht gelangte, sollte aber vor allem Eines bestürzen: Am massivsten beteiligte sich die marktradikale Rechte in Form der Mittelstandsunion (MU). Mit mehreren feuerwehrähnlichen Fahrzeugen der Firma ihres Vorsitzenden, die mit großflächigen, inhaltsleeren Ampelbashing-Plakaten geschmückt waren, versuchten sie sich durch kostenlose Vollverpflegung die Herzen der Landwirt*innen zu erkaufen. Auch ihre einzige Chance zu punkten, immerhin setzt die MU eigentlich auf den Abbau von Subventionen. Ihr explizites Ziel ist ein Kapitalismus, der auch nicht einmal mehr minimal durch einen Sozialstaat eingegrenzt wird. Konsequenterweise veranstaltet die Mitt Vorträge mit dem rechts-libertären Antidemokraten Markus Krall (der kurz darauf in der ultrarechten Burschenschaft Frankonia sprach) oder laden rechte Verschwörungserzähler wie Hans-Georg Maaßen ein. Bei solchen Referenten wundert es nicht, dass die MU auf Social Media Werbespots der AfD teilt, selbst Videos von klandestin organisierten AfD-Veranstaltungen veröffentlicht und der AfD-Direktkandidat sich auf Veranstaltungen der selbst ernannten Kämpfer*innen für den Mittelstand sichtlich wohl fühlt.
Uns sonst in der Region
Immerhin ist Montagabend, in Nürnberg steht die wöchentliche Demonstration von Team Menschenrechte an. Unerwartet viele, über 400 Teilnehmer*innen versammeln sich. Aufgerufen haben nicht nur die Organisator*innen, sondern auch die AfD Nürnberg, die den ganzen Nachmittag schon einen Infostand in der Nürnberger Innenstadt betrieb. Beide griffen die Bauernproteste auf und adressierten explizit Landwirt*innen. Gekommen sind keine, ihr Thema wurde nur in verschwörungsideologischen Platitüden aufgegriffen. Gekommen ist vielmehr ein Motoradclub, die mittlerweile durch Altherrenunterstützung verstärkte Frankonia, Personen aus dem Umfeld der Identitären Bewegung und zahlreiche Amts- und Mandatsträger der AfD und ihrer Jugendorganisation. Wie so oft war deren Parteilogo auf der Versammlung allgegenwärtig, auch das Fronttransparent wurde von einem AfD-Aktivisten und einem AfD-Stadtrat getragen. In Bamberg adressiert Stay Awake die ebenfalls aus den Coronaprotesten entstanden ist wie die meisten verschwörungsideologischen Gruppierungen auch Landwirt*innen für ihre wöchentliche Demonstration. Anders als in Nürnberg folgten allerdings einige Landwirt*innen mit ihren Fahrzeugen dem Aufruf – ebenso wie einige Personen der neonazistischen Kameradschaft „Kollektiv Zukunft schaffen, Heimat schützen“ und der ebenfalls neonazistischen Kleinstpartei der Dritte Weg. Zahlenmäßig und vor allem durch weniger Merchandise fiel der neonazistische Arm der extremen Rechten nicht ins Gewicht – anders der parlamentarische Arm der extremen Rechten: wie in Nürnberg ist auch in Bamberg die AfD traditionell fester Bestandteil der Proteste.
Landwirtschaft heißt Antifa
Auch wenn sich die Landwirt*innen in Erlangen von den Rechten distanzieren – an vielen Orten wurden sie geduldet, an anderen Orten wurde sogar aktiv zusammengearbeitet. Anderenorts wurden von den Landwirt*innen selbst extrem Rechte Plakate gezeigt – die Geschichte zeigt ebenso wie aktuelle Untersuchungen eine Affinität der Landwirt*innen zu rechter Ideologie und deren Fragmenten. Es gilt also zu aller erst, rechten Bestrebungen innerhalb der eigenen Reihen zu begegnen. Die Sinnhaftigkeit von Ampelbashing bzw. das Zuschreiben der Verantwortung an einzelne Politiker*innen (die dann teilweise symbolisch gehängt wurden) ist angesichts der langen Geschichte der Probleme im Agrarsektor und besonders wegen deren systemischen Charakters mehr als nur zu hinterfragen. Kapitalismus heißt Wachstum – auch auf Ebene der Höfe. Bei begrenzter Fläche erfordert dies logischerweise das Aus kleinerer Höfe. Es wirken die gleichen Mechanismen, die in anderen Weltgegenden Menschen vom Zugang zur Nahrungsmitteln ausschließt und letztlich zur Flucht zwingt. Es sind die gleichen wirtschaftlichen Mechanismen, die auch hier dazu führen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Die Zusammenhänge dieser Mechanismen müssen aufgezeigt und verbunden werden. Dann wird auch klar, dass eine Hetze gegen Geflüchtete, die Anrufung einer Nation oder gar eine Volkes nichts helfen kann. Und solche rechten Hetzer*innen auf den Demos nichts verloren haben und es ihnen aktiv vermiest wird – dazu gibt es bereits Erfahrungen aus anderen sozialen Bewegungen. Stattdessen gilt es, Kämpfe um soziale Gerechtigkeit nachhaltig zu verbinden und solidarische Netzwerke zu bilden!